Veranstaltungen
22.03.12, 19:00-21:00
Dr. Viktor Krieger: 1941 - die Deportation der Russlanddeutschen und die Folgen
Vortrag
Der Beschluss des Politbüros des ZK der bolschewistischen Partei vom
26. August 1941 und der zwei Tage später verkündete Erlass des
Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR leiteten die Deportation und
schließlich die jahrzehntelange Entrechtung der deutschen Minderheit in
der Sowjetunion ein. Die hartnäckige Weigerung der post-stalinistischen
Partei- und Staatsführung, substantielle Wiedergutmachung zu leisten,
verhinderte die erhoffte Gleichstellung der Russlanddeutschen mit anderen
sowjetischen Völkern.
Angesichts der verhängten Informationsblockade in Bezug auf ihre
Geschichte und Kultur mussten sie stellvertretend für Verbrechen des
Dritten Reiches büßen, sich antideutsche Ressentiments ihrer Nachbarn,
Kollegen oder Vorgesetzten gefallen lassen. Dies löste bei den
Betroffenen eine Protesthaltung aus, die sich unter anderem in der
Auswanderungsbewegung äußerte.
Heute leben in Deutschland an die 2,7 Millionen Bundesbürger
russlanddeutscher Herkunft verschiedener Generationen; somit stellen sie
einen gewichtigen demographischen, wirtschaftlichen und soziokulturellen
Faktor in diesem Land dar. In der Russländischen Föderation leben zur
Zeit nicht weniger als 0,5 Millionen Deutsche, wo sie nach wie vor
gravierenden Benachteiligungen in politischen, sprachlichen und
soziokulturellen Bereichen ausgesetzt sind. Andererseits bestehen auch in
der Bundesrepublik weiterhin bedeutende Defizite, historische Erlebnisse
dieser Millionen Menschen als Teil der nationalen bzw. der europäischen
Erinnerungskultur wahrzunehmen.
Dr. Viktor Krieger ist Projekt-Mitarbeiter an der Forschungsstelle für Geschichte und Kultur der Deutschen in Russland am Seminar für Osteuropäische Geschichte, Universität Heidelberg und beschäftigt sich seit mehreren Jahren mit dem historischen Werdegang und kulturellen Ausprägungen der russlanddeutschen Minderheit.








